Zurück | 14.02.2020


Forschungsprojekt erfolgreich abgeschlossen - Abschlussveranstaltung findet großen Anklang

Nach drei Jahren Laufzeit fand am 31. Januar 2020 die Abschlussveranstaltung zum Projekt Living Lab Walldorf statt. Ziel des Reallabors war es, zu untersuchen, wie sich Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen oder Speicher durch intelligente Vernetzung und Steuerung optimal nutzen lassen. Dazu wurden ca. 35 Haushalte und Gewerbebetriebe mit eigenen Energie-Erzeugungsanlagen mit entsprechender Mess- und Steuertechnik ausgestattet. Im Ratssaal der Stadt Walldorf stellten die sechs Projektpartner den Pilothaushalten sowie weiteren Interessierten die wichtigsten Ergebnisse des Forschungsprojektes vor: 

Technische Erschließung

Zehn der insgesamt fast 35 Haushalte stellten neben ihren Messdaten auch Ihre Wärmepumpe für Feldtests zur Verfügung, die mit einer Smart Grid Ready basierten Steuerung ausgestattet wurden. Dabei wurden die Wärmepumpen von sechs Haushalten kontinuierlich angesteuert. Erkenntnis: Den Betrieb der Wärmepumpe auf eine lokale, volatile Stromerzeugung zu optimieren, ist mit der SG Ready Steuerung aktuell nur eingeschränkt möglich. Hierfür wäre eine Erweiterung des SG Ready Standards hin zur dynamischen Leistungssteuerung notwendig. 

Geschäftsmodelle

Ein einzelner Verwertungsansatz der Flexibilität von Wärmepumpen (z.B. PV-Eigenverbrauchsoptimierung oder Kostenoptimierung bei flexiblen Tarifen) ist bisher in vielen Fällen nicht wirtschaftlich. Gründe hierfür sind bspw., dass es nur geringe finanzielle Vorteile einzelner Vermarktungsansätze gibt. Ebenso entsteht hierdurch ein Zielkonflikt zwischen Flexibilität und Effizienz. Darüber hinaus ist die Steuerung der Wärmepumpe außerdem mit hohen Einbindungskosten verbunden, die mit dem Roll-Out der Smart Meter Gateway Infrastruktur gesenkt werden könnten. Durch die Kombination verschiedener Verwertungsoptionen für die Flexibilität könnte die Wirtschaftlichkeit einer Optimierung eventuell verbessert werden. 

IT-Lösungen

Es wurden verschiedene Verfahren zur Optimierung der dezentralen Flexibilität erforscht. Eine verteilte Optimierung und effiziente Algorithmen ermöglichen eine erlössteigernde vielfältige Verwertung der Flexibilität an externen Strommärkten sowie für die Eigen- oder Quartiersversorgung. 

Regulatorik

Das Erlöspotenzial externer Vermarktung an der Strombörse steigt, wenn:

- weitere Atomkraftwerke und Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden

- eine Reduktion von CO2-Zertifikaten zu einer stärkeren dargebotsabhängigen Preisvolatilität führt

- Arbeitspreisaufschläge, wie Stromsteuer, EEG-Umlage oder die der Netzentgelte, reduziert werden. 

Flexibilitätspotenzial

Das Lastverschiebungspotenzial wurde modelliert und für Baden-Württemberg simulativ analysiert: bis zu 578 GWh / Jahr können verlagert werden. Dies entspricht dem Jahresstrombedarf von 190.000 Haushalten. 

Eine detailliertere Ausführung der Ergebnisse und Vorgehensweise sind im Abschlussbericht nachzulesen.